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Mitte März machten wir einen kleinen Ausflug nach Lappland. Zusammen mit zwei deutschen Freunden mieteten wir eine Hütte in Enontekiö, der nordwestlichen Ecke Finnlands. Unsere Reise begann in Helsinki mit dem Einsteigen in den Zug. Das war meine erste Fahrt in einem Nachtzug, und aufregender als ich dachte. Wir hatten Kabinen gebucht, und fanden sehr kleine aber gemütliche an Board. Jeder Zentimeter des kleinen Raumes wurde auf irgendeine Art genutzt, und der Zug hatte sogar zwei Decks mit Kabinen. Die Betten waren mit sauberem, grünem Bettzeug bezogen, von denen die bekannten Eulen der Zuggesellschaft starrten. Der nächste Wagen war recht alt, recht leer und recht reizend, ein normaler Reisewagon mit viel Beinfreiheit und verstellbaren Rückenlehnen, und dahinter war der Restaurantwagen, der mit nostalgischem 60er Jahre Look bestach, mit Holztischen und goldenen Verzierungen. Da der Zug ziemlich leer war konnten wir gemütlich im Restaurant sitzen und Karten spielen, bevor wir zu Bett gingen. Der Nachtzug war nicht in Eile, und wir hielten gefühlt an jedem zweiten Briefkasten für längere Zeit. Wir brauchten eine Stunde nur um am Flughafen von Helsinki vorbeizukommen. Die Gesamtreisezeit nach Rovaniemi betrug 13 Stunden.

Travelling through Lapland

Schneedorf und Nordlichter

Als wir ankamen holten wir unseren Mietwagen ab und fuhren gen Norden. Und es sollte eine lange Fahrt werden: Ohne Zwischenhalte war die Hütte laut Karte 3 1/2 Stunden weit weg. Wir hielten unterwegs an um das Snow Village in Lainio zu besuchen. Diese beeindruckende Attraktion wird jeden Winter wieder aufs neue aus Schnee und Eis gebaut, mit ungefähr 30 Hotelzimmern (viele davon sind Suiten mit tollen Schnee”schnitzereien” an den Wänden), einer Kapelle und Bar / Restaurant. Es scheint, als käme man auch hier nicht um Feuerschutzvorschriften herum, und im Gang hing ein Feuerlöscher, obwohl rundherum alles aus Schnee war. Eintritt kostete 12€ pro Person, und man kann die Räume in aller Ruhe selbst erkunden. Ein wirklich faszinierender Ort, und wirklich einen Besuch wert! Von dort fuhren wir weiter und erreichten unsere Hütte bei Kuttanen kurz vor Sonnenuntergang.

Die Hütte befand sich gleich hinter der (ruhigen) Hauptstraße in den Norden und direkt über dem Grenzfluss zu Schweden. Auf dem gleichen Grundstück standen noch zwei weitere Hütten, aber ansonsten war es schön ruhig und abgelegen. Zum Glück war die Einfahrt zur Hütte schon freigeräumt, so dass wir bequem direkt am Haus parken konnten. Von dort aus mussten wir uns dann allerdings erst mal einen Weg in die Hütte bahnen, denn der Schnee lag mehr als Kniehoch. Wir fanden schließlich eine Schneschaufel vor der Nachbarhütte, und der Deckel räumte innerhalb von Minuten mit finnischem Sisu und Training einen  Zugangspfad. Bei der Nachbarhütte fanden wir übrigens auch ungefähr 5 Flaschen hochprozentigen Alkohol im Schnee vergraben. Später entdeckten wir, dass eine Gruppe Deutscher dort wohnte. Warum genau sie sich gerade Finnland zum trinken ausgesucht haben – wenn man mal die Alkoholpreise hier mit denen in Deutschland vergleicht – und wer das alles austrinken sollte, da maximal 6 in der Hütte wohnten, blieb uns ein Rätsel. Unsere Hütte war gemütlich, schön eingerichet, und enthielt alles was wir brauchten (bis auf Streichhölzer, welche gerade ausgegangen waren, und Backpapier, wie wir zu spät feststellten). Es war Platz für 6, und so konnten wir vier uns ordentlich ausbreiten. Vom Balkon hatten wir eine schöne Sicht über den Fluss und nach Schweden hinüber. Wir hatten vorsichtshalber auch einen kleinen Pfad zum Fluss freigeräumt, zu einer baumlosen Stelle, sollten sich irgendwelche Nordlichter zeigen. Die Wolken, die den ganzen Tag über uns gehangen hatten, hatten sich erfreulicherweise schon verzogen.

Und so begann das Warten auf die große Lichtshow: Alle paar Minuten konsultierten wir den Aurora forecast, aber es sah fast so aus, als hätten wir kein Glück, mit sehr niedriger Sonnenaktivität vorhergesagt. Doch plötzlich änderte sich etwas und die Nummern auf der Webseite schossen in die Höhe, und wir mit ihnen. Ich lief nach draußen und sah einen blassen, hellen Streifen, der sich über den Himmel zog. Ich war nicht ganz sicher, was ich davon halten sollte und fragte den Deckel, ob dies eine Aurora oder eine Wolke sei. Er lachte mich ein bisschen aus und meinte, es wäre definitiv ein Nordlicht. Ich wusste vorher schon, dass die Lichter mit bloßem Auge nicht so hell und bunt zu sehen sind, wie sie auf Fotos erscheinen, aber das war doch ein bisschen enttäuschend. Ich baute trotzdem mein Stativ auf und wartete. Und langsam begann die Show: Die “Wolke” wurde größer, nahm einen leicht grünlichen Ton an und fing an sich zu bewegen. Unmerklich zunächst – man konnte sehen, dass sich die Form veränderte, aber nicht wann und wie dies passierte – aber dann immer schneller. Einmal schien das Licht direkt über meinem Kopf, mit Strahlen, die nach unten zu zeigen schienen und sich wie bei einer Lasershow bewegten. Dann wieder zog es weiter über den Wald zum Horizont und bewegte sich wie ein ruhiger Fluss oder der Schwanz eines Tieres. Auf Finnisch heißen die Nordlichter übrigens “revontulet” – Fuchsfeuer. Der Name kommt von einem alten Volksmärchen, demzufolge die Lichter entstehen, wenn ein Polarfuchs über die nördlichen Berge rennt und mit seinem Schwanz Schnee aufstäubt, der durch die Luft fliegt und die wunderbaren Lichter hervorzaubert.

Snow Village in LainioAurora Borealis

Finnishe Berge und Norwegen

Am nächsten Tag beschlossen wir nach Norwegen zu fahren, welches man in ca. 2 1/2 Stunden von der Kabine aus erreichen konnte. In Kilpisjärvi, am Nordwestlichen Ende Finnlands, legten wir einen kleinen Zwischenstop ein. Dies ist ein recht touristischer, aber dennoch reizender Ort – abgesehen vom ständigen Heulen der Motorschlitten, die die Ruhe durchschneiden. Kilpisjärvi ist von wunderschöner Landschaft umgeben und bietet so einiges für Besucher. Wer, wie ich, die Ruhe dem Motorenlärm vorzieht kann Ski ausleihen oder Wandern. Bevor wir in Lappland ankamen wussten wir nicht, ob es überhaupt möglich sein würde Spaziergänge im Schnee zu machen, da wir keine Informationen dazu finden konnten. Aber zumindest in den touristischen Gebieten gibt es genügend Wege auf denen der Schnee verdichtet wurde, so dass man auch ohne Schneeschuhe gut laufen kann. Einige davon sind eigentlich Langlaufstrecken, aber solange man nicht in der eigentlichen Loipe läuft kann man diese auch als Fußgänger benutzen.

Von Kilpisjärvi aus kann man zum Dreiländereck von Finnland, Schweden und Norwegen laufen (im Sommer über die Berge und im Winter über den See) oder langaufen (über den See). Das ist der nördlichste Punkt Schwedens und der westlichste von Finnland. Die Grenze verläuft im See, aber man kann den genauen Punkt über kleine Holzbrücken erreichen, und zwischen den Ländern hin- und herspringen. Da die Reise dorthin über 2 Stunden auf Skiern, oder noch länger zu Fuß dauert und es schon Nachmittag war, konnten wir dort leider nicht hin. Stattdessen beschlossen wir auf den Saana zu steigen, einen Berg der den See und die umgebende Landschaft überblickt und schöne Ausblicke bietet. Dazu mussten wir noch nicht mal bis zum Gipfel laufen. Zunächst führte unser Weg durch lichten Birkenwald, bevor es eine kurze, aber steile Steigung hinaufging. Da wir von dort einen tollen Ausblick hatten wanderten wir nicht weiter, sondern hielten bei der ersten Bank über die wir kamen an. Obwohl es an diesem Tag sehr grau war (manchmal war es kaum möglich zu sagen wo der Schnee endete und der Himmel begann) konnten wir nach Schweden und Norwegen blicken, und von hier oben war auch der Lärm der Motorschlitten verklungen. Beim Abstieg traute ich mich den steilen Abhang nicht hinunter und versuchte statt dessen auf dem Hintern hinunterzurutschen. Es stellte sich heraus, dass sich Jeans nicht als Schlitterunterlage eignen. Die einzige Möglichkeit für mich zu rutschen war auf den Füßen stehend. Ich würde daher empfehlen einen stabile Plastiktüte auf die Wanderung mitzunehmen, für eine flotte Abfahrt.

Nach dem Spaziergang setzten wir unsere Reise richtung Norwegen fort. Im finnischen Teil von Lappland sind die Straßen im Winter hübsch weiß. Der Schnee wird zwar geräumt, aber nicht vollständig (da alle Autos hier Spikes an den Rädern haben ist es trotzdem vollkommen sicher!). Je näher wir Norwegen kamen, desto dreckiger und gelber sah der Schnee auf der Straße und am Straßenrand aus. Sobald wir über die Grenze waren gab es dann auch keinen Schnee mehr, da anscheinend in Norwegen alle Straßen gesalzt werden. Wenn man die Grenze überquert hat beginnt sich die Landschaft schnell zu verändern: Finnisch Lappland ist relativ flach, es gibt einige Berge, aber diese sind die kleinen und abgerundeten Formen einer uralten Landschaft. In Norwegen ist alles ein bisschen höher, ein bisschen rauher, ein bisschen dramatischer. An diesem Tag, and dem alles schwarzweiß (oder inzwischen eher gelb) erschien, alle Farben von den schweren Wolken ausgesaugt, konnten wir an den steilen Felshängen stechend blaue gefrorene Wasserfälle sehen. Ich wäre gerne näher an einen herangekommen, aber es gab hier keine Möglichkeit anzuhalten, und die meisten davon waren sowieso hoch oben an den Bergen. Nach kurzer Fahrt erreichten wir auch schon das Meer und bogen nach links ab, bergab zum Wasser hin, wo wir an einem kleinen Rastplatz mit schöner Aussicht anhalten konnten.

Die dicken Wolken liessen die Landschaft noch dramatischer erscheinen, ähnlich wie Schottland an einem regnerischen Tag. Kahle Berge erhoben sich zu beiden Seiten des Fjords, rechts von uns standen ein paar bunte Bootshäuser am Wasser, links wartete ein Angler geduldig auf Fang. Wir standen eine Weile am Wasser und fotografierten, und gerade als wir gehen wollten sah ich ein Bewegung im Wasser. Zunächst war ich mir nicht ganz sicher ob es sich dabei um ein Ente in der Nähe oder einen weit entfernten Wal handelte, aber auf den zweiten Blick sahen wir, dass sich dort definitiv eine gebogene Flosse aus dem Wasser hob und wieder darin verschwand, und es tauchten noch mehrere davon auf. Ich versuchte später noch erfolglos im Internet herauszufinden welche Arten in den nördlichen Fjords von Norwegen anzutreffen sind, ich vermute aber, dass es sich dabei um Delfine, Schweinswale oder Zwergwale handelte. Wir beobachteten sie eine Weile bis es zu regnen begann (so nahe am Meer lag kaum noch Schnee und es war wärmer als in Finnland), und wir zum Auto zurückkehrten. Als wir unsere Lapplandreise vorbereiteten lasen wir oft, dass man trotz guter Straßen nur langsam vorankommt, da ständig Rentierherden auf der Straße stehen. Auf der Rückfahrt an diesem Abend sahen wir das erste und letzte frei herumlaufende Rentier unserer Reise. Ein vereinzeltes Rentier. Dafür sahen wir auch drei hübsche, wohlgenährte rote Füchse, die in der Abenddämmerung auf Jagd waren.

Enjoying the Views from SaanaDSC_1552

Langlaufen

Am nächsten Tag fuhren wir die kurze Strecke nach Hetta um dort Langlaufen zu gehen. Beim örtlichen Skizentrum kann man sich Ausrüstung ausleihen – zumindest behauptet das ihre Webseite. Als wir ankamen fanden wir einen kleinen Hügel mit Skilift und davor ein paar kleine Hütten oder Container. Wir dachten schon wir hätten das “Zentrum” verpasst, aber tatsächlich waren wir hier am richtigen Ort. Wir betraten das Büro, wo ein einsamer Angestellter saß und über unseren Besuch eher verblüfft schien. Wir sagten, dass wir gerne Langlaufausrüstung ausleihen würden. “Für euch alle [vier]?!” – seine Antwort klang fast schockiert, und ich begann schon daran zu zweifeln, dass wir hier tatsächlich fündig würden. Zum Glück lag ich falsch. Es gab tatsächlich eine gute Auswahl an Ausrüstung (außer man hat Schuhgröße 39) – nicht die neuesten oder besten Sachen, aber durchaus zweckmäßig. Anscheinend leihen nicht oft Leute hier Ausrüstung, denn der Herr vom Skizentrum hatte keine Ahnung vom Preis für den Verleih (der im übrigen sehr angemessen war!). Vorkasse oder Kaution waren ebenfalls nicht nötig, in Lappland kann man den Leuten wohl noch vertrauen. Wir brachen also auf unseren Skiern auf. Alle von uns hatten entweder seit vielen Jahren nicht mehr auf Skiern gestanden, oder bisher nur Erfahrung mit Abfahrtski gemacht. Der erste, der fiel war der mit der meisten Erfahrung – innerhalb weniger Schritte – aber den Rest von uns erwischte es später noch mehr als einmal.

Es gibt verschiedene Langlaufrouten in Hetta. Da wir alle recht unerfahren waren wählten wir die einfachste davon. Der erste Teil führte uns durch verschneiten Wald, mit etwas auf und ab. Die Aufstiege waren recht schwierig für uns: Mit überkreuzten Skiern versuchten wir die kurzen Hügelchen hinaufzukraxeln ohne über die eigenen Ski zu fallen, während der Deckel einfach nur so hinaufspazierte als wäre da garnichts dabei. Die Abfahrten waren noch schlimmer: Die Skier waren sehr schmal, und an einigen Stellen war die Loipe zerstört weil jemand darauf herumgelaufen oder hingefallen war. Das, kombiniert mit leichten Kurven, führte zu mehr als nur einem Fall. Während wir unterwegs waren begann es dann auch noch zu schneien. Zunächst nur sehr leicht, aber bald recht stark. Wir erreichten schließlich den See, welcher den zweiten Teil des Rundweges ausmacht. Mit der flachen Ebene vor uns entschieden wir dann sogar unseren Ausflug etwas auszudehnen und den Umweg zur anderen Seite des Sees zu fahren, bevor wir am Ufer entlang zum Skizentrum zurückkehrten. Hier ließ es sich gleich viel leichter und schneller laufen. Selbst auf dem See sind übrigens die Pfade klar markiert durch Plastikstecken, Äste und kleine Bäume, die im Eis stecken.

Als wir gerade die entgegengesetzte Seite des Sees erreicht hatten kam eine Frau auf einem Motorschlitten auf uns zu. Niemand verstand so richtig was sie versuchte uns mitzuteilen, aber im Wesentlichen hieß es, dass wir nicht auf dem normalen Pfad weiterlaufen konnten, weil Rentiere. Die Verlockung war groß dennoch – oder gerade trotzdem! – weiterzulaufen, aber da noch mehrere offiziell aussehende Motorschlitten auf dem See unterwegs waren beschlossen wir statt dessen dem Langläufer vor uns zu folgen, in gerader Linie zurück zum anderen Ufer. Hier waren keine Loipen und unsere Skier versanken im Schnee. Ich dachte ja immer, diese Dinger wurden erfunden um damit auf tiefem Schnee laufen zu können, aber es stellte sich heraus, dass sie dazu nicht zu gebrauchen waren. Auf der anderen Seite des Sees war eine kleine Rentierfarm, und wir hielten an um ein paar Bilder zu schießen. Zurück auf der Loipe fuhren wir weiter auf eine eingezäunte Fläche auf dem See zu, die vermutlich der Grund war, weshalb wir auf dem anderen Pfad nicht weiterlaufen durften. Als wir gerade dort ankamen sahen wir auf der anderen Seite des Zaunes ein Rentier vorbeischießen – gefolgt von einem daranhängenden Mann auf Skiern. Wir hofften schon auf ein Rennen, aber leider schien es nur eine Skijöringübung gewesen zu sein, und mehrere Männer begannen den Zaun abzubauen sobald das Rentier vorbei war.

Wir kehrten zum Skizentrum zurück und wärmten uns im benachbarten Naturzentrum (welches wesentlich größer und gemütlicher war) auf. Als wir zum Dorf zurückkehrten war die Sonne fast hinter den Wolken hervorgekommen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees konnten wir nun eine blasse weiße Wand gegen den blauen Himmel sehen: ein kahler, schneebedeckter Berg, der aussah als wäre er da einfach hingemalt worden. Nachdem wir endlich eine lokale Tourismusbroschüre aufgetrieben hatten, versuchten wir die örtliche Rentierfarm zu finden, die dort als Besucherattraktion vermerkt war. Wir bogen an der angegebenen Kreuzung ab, und fuhren entlang von zahlreichen eingezäunten Rentierweiden, ohne ein Schild zur eigentlichen Farm zu finden. Deshalb hielten wir irgendwann einfach an um ein paar Bilder zu machen. Jemand war uns schon einge ganze Weile auf dem Motorschlitten gefolgt, und hielt nun auch an. Wir gingen zum Zaun um Fotos zu machen, und der Fahrer des Motorschlittens nahm seinen Helm ab – es war ein Sami Junge. Er beobachtete uns genau, und nachdem wir ein paar Bilder gemacht hatten fand er anscheinend, dass es nun reichte – oder er wollte sein Geschick als Rentierhirte unter Beweis stellen. Er ging auf die Weide und die gesamte Herde folgte ihm ans andere Ende, weg von meiner Kamera. Wir beschlossen im örtlichen Hotel der Lapland Hotels Kette zu Abend zu essen. Die Karte klang unglaublich fein, aber leider erfüllte das Essen weder die Erwartungen des Namens noch des Preises. Das gebratene Rentier (DAS traditionelle Gericht in Lappland) war eine kleine Portion und glich mehr einer Suppe und die Pizza mit “Wildpilzen aus Kittilä” kam mit stinknormalen Champignons.

Snow sculpture in HettaReindeer

Rovaniemi

Am nächsten Tag ging es dann auch schon wieder nach Hause für uns alle. Wir standen zu relativ unchristlicher Zeit schon auf um die Hütte noch besenrein zu machen und unsere Freunde rechtzeitig zum Flughafen zu bringen. Das war ein Glücksfall für die nächsten Mieter der Hütte: Sie hatten im Kleingedruckten überlesen, dass die Hütte am Anreisetag erst ab 4 Uhr Nachmittags zu beziehen ist. Sie waren die Nacht durchgefahren und kamen an als wir gerade die letzten Müllbeutel nach draußen brachten. Die Fahrt nach Rovaniemi war wunderschön: Es war unser erster sonniger Tag hier oben, und alles leuchtete in einem warmen, goldenen Licht. Kurz bevor wir den Flughafen in Rovaniemi erreichten, rasten wir noch in den einzigen Blitzer, der uns auf der ganzen Reise untergekommen war. Nachdem wir unsere Freunde verabschiedet hatten, hatten der Deckel und ich noch den ganzen Nachmittag in Rovaniemi bevor unser Zug zurück nach Helsinki ging. Da ich Weihnachten liebe, bestand ich natürlich darauf das Dorf des Weihnachtsmannes zu besuchen, März hin oder her.

Es gibt zwei Weihnachtsattraktionen in Rovaniemi, beide nur wenige Minuten Autofahrt vom Flughafen entfernt: Santa Park ist ein Vergnügungspark, der im Frühling nicht offen hat. Das Santa Claus Village liegt genau am Polarkreis und ist ein Dorf bestehend aus Souvenirläden und einem kleinen Museum. Eintritt zum Museum ist frei und man kann dort über Weihnachtstraditionen aus aller Welt und durch die Jahrhunderte erfahren. Am Ende kann man dann den Weihnachtsmann persönlich antreffen. “Unser” Weihnachtsmann war recht jung und schlank für einen solchen. Ich glaube, das muss der schlimmste Job der Welt für einen Finnen sein: Der Weihnachtsmann muss nicht nur am laufenden Band viel zu nahe an Fremden sitzen und sich fotografieren lassen, sondern auch noch Smalltalk halten, welcher  in der finnischen Kultur noch weniger existiert als in der deutschen. Man kann dort ein “professionelles” Bild aufnehmen lassen, oder – und hier kommt das Beste daran! – mit eigener Kamera fotografieren. Leider sind meine Bilder alle leicht unscharf geworden, aber sie sind Beweis genug, dass ich dort war. Vielleicht hätte ich sogar das professionelle Bild gekauft, wenn es um einiges günstiger als die 20€, die verlangt wurden, gewesen wäre, da ich es schön fand, dass das Museum kostenlos ist und keine Fotografiebeschränkungen hatte. Aber statt dessen kaufte ich später etwas im angeschlossenen Souvenirladen.

Der Rest des Dorfes bestand aus Souvenirläden und finnischen Designer Marken (Marimekko und Iittala durften natürlich nicht fehlen…), und einem riesen Schneemann in der Mitte. Es gab noch ein weiteres Gebäude in welchem man angeblich den echten Weihnachtsmann treffen konnte (vielleicht war der etwas älter und dicker?), aber hier war keine Fotografie erlaubt, und deren professionelle Bilder wären vermutlich noch wesentlich teuerer gewesen als im Museum. Ich hörte im vorbeigehen eine Asiatin Bilder für einen Gesamtwert von über 150€ kaufen. Wir sparten uns diesen Besuch also – wo keine Fotografie erlaubt ist, da bleibe ich immer gerne draußen. Hinter der Ladenreihe war eine Art “Rennstrecke” (nur ohne Rennen), wo man mit Rentierschlitten fahren konnte. Das Rentier, das als nächstes an der Reihe war, sah jedoch so übel aus, mit zahlreichen Wunden und recht kränklich, dass wir schnell wieder verschwanden.

Schließlich fuhren wir unser Auto zur Autovermietung zurück und liefen zum Bahnhof. Diesmal hatten wir um Geld zu sparen keine Kabine im Zug gebucht, sondern nur normale Sitze. Mit 20 hätte ich so etwas vielleicht noch gut überstanden, aber jetzt fühle ich mich doch deutlich zu alt dafür. Ich hatte kaum Schlaf in dieser Nacht, obwohl die Sitze schon mehr Beinfreiheit hatten und sich weiter zurückklappen ließen als in normalen Zügen. Aber es ist eben trotzdem kein Vergleich zu einem echten Bett, egal wie schmal. Am nächsten Morgen kamen wir um 6 Uhr in Helsinki an und hatten gerade Zeit für Dusche und Frühstück bevor wir zur Arbeit mussten. Nächstes Mal werde ich mich wohl eher wieder für die Kabine entscheiden…

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6 thoughts on “Lappland im März

  1. Really fun to read, and I hope you enjoyed your trip. I had been a bit afraid that you had stopped posting this blog, since you hadn’t posted in a while 🙂

    PS. It seems that Mr. Always Right is supporting nice ‘hevari-letti’ hair. Is he a fan of rock/metal?

    1. Thanks, yes, I really enjoyed it =). Oh no, it just took me forever to write this post, and in addition my laptop had a virus and couldn’t be used for a while! I really hope the next ones won’t take that long. I’m considering to drop the German part of the blog, as it would make writing a lot faster, and I don’t have the impression it is read much anyway…
      Yes, we all are a bit into metal!

      1. Ah, viruses can be a real pain in the ass to deal with. I don’t think it is wise dropping the German part out, I’ve seen few Germans talking in this site. The word does spread around…

  2. aaah – lapland, in its full beauty! bad weather, snow, auroras – enough of everything, usually 😉

    btw, for the next time you plan to take photos of auroras, buy sticky tape, turn off your autofocus, focus something at far away when there’s still light, and then use the tape to fix the focus. that’s the cheapest and most useful thing (next to not touching metal tripod parts without gloves when standing outside at -20 degrees and below for several hours) advice i found so far. autofocus and manually focussing sucks during night most of the time, as you probably noticed.

  3. We, too, were at first unsure about whether we were actually witnessing or imagining the Aurora. It’s a strange but always welcome phenomonon. We generally had it each year when living in northern Sweden a few hundred miles South of the Polar Circle. Extraordinary experience. Will be following the blog as and when now I’ve found it. Keep going there.

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